Maria Reiche und die Linien von Nasca

Während meiner drei Reisen nach Peru lernte ich einen der Bemerkenswertesten Menschen unserer Zeit kennen: Frau Dr. Maria Reiche. Ihr und Ihrer Schwester, Frau Dr. Renate Reiche, habe ich es zu verdanken, das mir auf der Hochebene von Nazca sowie an der Bucht von Marcona einzigartige Aufnahmen der Geoglyphen und der Meeresfauna gelungen sind.

Ein ganz besonderer Dank richtet sich auch an Ana Maria Cogorno, die ich während eines Besuches in Hohenpeissenberg (Renate Reiches Wohnort) kennenlernen durfte und die mich mit weiteren Informationen und Geschichten versorgte.

Am 15. Mai 2013  jährte sich der Geburtstag von Maria Reiche zum 110 mal.
Aus diesem Grunde habe ich diese Seite nach längerer Abwesenheit wieder ins Netz gestellt.

Vogel in der Nasca-Wüste

Vogel in der Nasca-Wüste

Sie sind vielleicht eines der größten Rästel der Erde: Die weltbekannten Bodenzeichnungen in der Wüste im Süden Perus. Die Dresdnerin Maria Reiche versuchte in 40-jähriger Forschungsarbeit das Geheimnis und die Bedeutung der Geoglyphen zu lüften. Ihre Theorie, da es sich um eine riesige astronomische Kalenderanlage handelt, ist bis heute nicht bewiesen. Doch führte ihr unermüdlicher Einsatz dazu, das die empfindlichen Wüstgenbilder im Jahre 1995 unter den Schutz der Unesco gestellt wurde.

Zeichnung des Affen v. Maria Reiche

Zeichnung des Affen v. Maria Reiche

Nachdem in den letzten Jahrzehnten ein beträchtlicher Teil durch Straßenbau, Autospuren und neugierige Fußgänger zerstört wurde, ist es heute, auch in Anbetracht von Luftverschmutzung und Klimaveränderung, besonders wichtig, sich für den Erhalt dieses kulturellen Erbes für die Nachwelt einzusetzen. Dafür steht der in Dresden gegründete Verein “Dr. Maria Reiche – Linien und Figuren der Nazca-Kultur in Peru” e.V.

Dem persönlichen Einsatz und Enthusiasmus der Mitglieder des Vereins
Dr. Maria Reiche – Linien und Figuren der Nazca-Kultur in Peru e.V.” ist es zu verdanken, dass aus Ideen Taten werden und Projekte sich mit Leben füllen.

Linien von Nasca

Linien von Nasca

Wenn auch Sie ernsthaftes Interesse an einer Mitgliedschaft haben, können Sie sich hier anmelden. Sie werden dann automatisch zur nächsten Mitgliederversammlung eingeladen. Der jährliche Mitgliedsbeitrag beträgt 25 € bzw. 10 € für Studenten und Auszubildende.

Mit einer Spende oder als Sponsor können Sie helfen, die gefährdeten Bodenzeichnungen von Nazca zu schützen. Weiterhin unterstützen sie die Arbeiten am Forschungsprojekt “Nazca” der HTW Dresden.

Verein “Dr. Maria Reiche – Linien und Figuren der Nazca-Kultur in Peru”
c/o HTW Dresden
Friedrich-List-Platz 1
D-01069 Dresden

Dresdner Volkseisenbank Raiffeisenbank e.G.
BLZ: 85090000
Konto-Nr. 3204332605

Maria u. Renate Reiche (v.l.n.r)

Maria u. Renate Reiche (v.l.n.r)

Die Jugendjahre
Maria Reiche-Grosse wird am 15. Mai 1903 als erstes Kind des Amtsgerichtsrates Dr. Felix Reiche-Grosse und seiner Frau Elisabeth in Dresden geboren. Ihre Kindheit verbringt sie zusammen mit den jüngeren Geschwistern Renate und Franz in der Zittauer Straße.

Hier, im Garten des Hauses, beginnt schon zeitig das Interesse an naturwissenschaftlichen Beobachtungen. Mit 13 Jahren besucht Maria die Städtische Studienanstalt in der Weintraubenstraße, das heutige Romain-Rolland-Gymansium. Dankbar wird sie sich noch später an ihre Schuljahre erinnern:
“Meine alten Lehrer würden es mir im Himmel niemals verzeihen, wenn ich diese Zeit vergessen würde. Das Ergebnis meiner heutigen Arbeit stammt aus dieser Grundlage der Erziehung…”

Im Jahr 1924 schreibt Maria Reiche sich an der Technischen Hochschule Dresden ein. Zwei Semester studiert sie in Hamburg. Die höhere Lehramtsprüfung legt sie 1928 in den Fächern Mathematik, Physik, Philosophie, Pädagogik und Geografie ab.

Es folgen unsichere Jahre. Maria erhält nur immer wieder Aushilfeanstellungen. Außerdem beginnt in Deutschland der Nationalsozialismus Einzug zu halten. Da kommt das Stellengesuch des deutschen Konsuls in Cuzco nach einer Hauslehrerin gerade recht. Sie bewirbt sich und wird unter 80 Bewerberinnen ausgewählt. Im Februar 1932 fährt sie voller Erwartungen nach Peru.

In Peru
Zwei Jahre bleibt Maria Reiche in Cuzco. Dann geht sie in die Hauptstadt Lima. Dort verdient sie

Maria Reiche in Cusco

Maria Reiche in Cusco

sich anfangs ihren Lebensunterhalt mit Deutsch- und Englischstunden, Gymnastikunterricht und Massagen. Später wird Maria auch mit der Übersetzung wissenschaftlicher Texte beauftragt.

Im Museo de Arqueología in Lima präpariert sie Leichentücher von Mumien. Nebenbei hilft sie im Café einer Freundin aus, wo sich viele Ausländer, Professoren, Studenten und Geschäftsleute treffen. Hier lernt sie auch den Amerikaner Dr. Kosok kennen – ein Spezialist für antike Bewässerungssysteme, der jemanden für die Übersetzung seiner englischen Artikel ins Spanische sucht.

Im Dezember 1941 reist Maria das erste Mal nach Nazca. Dr. Kosok hatte sie gebeten, sich die seltsamen, schurgeraden, linienförmigen Vertiefungen in der Wüste anzusehen. Kosok vermutet, dass es sich nicht wie erst angenommen, um Bewässerungsgräben handelt, sondern um eine astronomische Kalenderanlage. Am 22. Juni, also zur Sonnenwende, hatte er bemerkt, dass die Linie, in der er gerade stand, genau auf die untergehende Sonne am Horizont zulief. Maria Reiche sollte diese Theorie bestätigen.

Die Forschungsarbeit von Maria Reiche in der Wüste von Nazca beginnt erst 1946 nach dem Ende des Krieges. Solange ist es ihr verboten, als Deutsche, das Stadtgebiet von Lima zu verlassen.

Luftbild d. Nasca-Linien

Luftbild d. Nasca-Linien

Die Linien
Jahrhunderte vor der Blütezeit der Inkas schufen die Bewohner der Flussoasen in der trockenen Hochebene zwischen Pazifik und Anden im Süden Perus ein einzigartiges Monument.

Auf über 250 Quadratkilometern Geröllboden breitet sich ein riesiges Netz von schnurgeraden, bis zu zehn Kilometern langen Linien und dreieckigen bzw. trapezoiden Flächen aus – dazwischen Zeichnungen, die Tiere, Menschen, Pflanzen darstellen. In ihrer Gesamtheit ist diese Anlage nur aus der Luft zu überblicken. Selbst die Figuren mit bis zu 300 Metern Länge sind erst von einem erhöhten Punkt, wie einer Leiter erkennbar.

Die Herstellungstechnik erklärt sich aus der Oberflächenbeschaffenheit der Küstenwüste. Entfernt man die oberste Schicht – rötlich, oxidiertes Geröll – wird der hellgelbe Untergrund freigelegt, der die Linien und Figuren so kontrastreich von der Umgebung abheben lässt.

Nicht zu deuten sind bisher weder der Sinn dieses zweidimensionalen Menschenwerkes noch die genaue Entstehungszeit. Seitdem Maria Reiche mit ihren Untersuchungen begonnen hat, beschäftigen sich Wissenschaftler verschiedener Disziplinen mit der Enträtselung.

Die Erklärungen reichen von einem gigantischen Sternobservatorium über Sakralstraßen und Ritualplätze bis zu Bewässerungssystemen. Oder handelt es sich sogar um Landeplätze von extraterrestrischen Besuchern – wie Erich von Däniken vermutet?

Maria Reiche in der Nasca-Wüste

Arbeit in der Wüste

Mitten in der Nacht – lange bevor die Sonne aufgeht, beginnt Marias Arbeitstag. Auf den Ladeflächen von Lastwagen trampt sie nun jeden Morgen von der Stadt Nazca in die Wüste. Schon in den ersten Tagen im Juni 1946 findet sie zwischen den Linien die stilisierte Zeichnung einer Spinne. Sie war nur schwer zu erkennen, denn der Wind hatte im Laufe der Jahrhunderte eine dünne Schicht von kleinen Steinen darüber geweht.

Nach und nach entdeckt sie immer mehr Figuren, doch sind diese anfangs nicht ihre Hauptaufgabe. Mit Maßband, Sextant und Kompass, dann auch mit dem Theodoliten vermisst sie fast 1000 Linien und untersucht sie auf ihre astronomische Gerichtetheit. Beladen mit Messgeräten und Leiter läuft Maria oft lange Strecken und verzichtet auf das Proviant. Um die zeitaufwendige Anfahrt aus Nazca zu sparen, zieht sie in eine einfache Hütte ohne Wasser und Strom am Rande der Wüste.

Als später ihre Sehkraft nachlässt, beginnt sie sich den Figuren zuzuwenden. Sie fragt sich, wie die riesigen Zeichnungen technisch und künstlerisch so perfekt geschaffen worden sind und vermutet ein Maßsystem, mit dem es gelang, die Figuren von einem kleineren Modell in die Wüste zu übertragen.

In den über 40 Jahren ihrer Forschung bekommt sie die umfangreichste Hilfe von der Luftbildstelle der peruanischen Luftwaffe (SAN), die ihr mehrere Flüge über die Zeichnungen ermöglicht, wobei wertvolle Luftbilder enstehen.

Nasca-Keramik

Nasca-Keramik

Nasca- die Stadt in der Wüste
Nazca mit ca. 23.000 Einwohnern – wäre ohne die nahegelegenen Bodenzeichnungen wohl eher unbedeutend. Doch schon seit Jahren boomt der Tourismus. Zahlreiche Hotels und Restaurants sichern den Lebensunterhalt. Reisebüros vermitteln Flüge über die Wüste. Aber der Name Nazca steht nicht nur für die Linien.

Die Nazca-Kultur, die sich zwischen 200 v.Chr. bis 800 n.Chr. in dem südlichen Küstengebiet entwickelte, hinterließ fantastische Webarbeiten und bemalte Keramik. In leuchtenden Erdfarben wurden Szenen aus dem täglichen Leben aber auch Wesen aus einer mythisch-religiösen Welt festgehalten. Einige der Motive, wei z.B. der Affe finden sich in den Geoglyphen der Wüste wieder.

Die Küstenbewohner begruben ihre Toten in kunstvolle Grabtücher gewickelt in hockender Stellung. Mumifiziert haben sie sich im trockenen Sand erhalten, doch leider sind viele der Gräberfelder um Nazca Opfer von Plünderern geworden. Zudem waren die “Nazcas” Meister der Bewässerung. Ausgeklügelte, teilweise unterirdische Kanalsysteme dienen noch heute der Landwirtschaft in den weiten Flussoasen.

Am Rande der Wüste, dort wo Maria Reiche jahrelang in ärmlichen Verhältnissen in einer Hütte gelebt hat, besteht seit 1994 das “Museo Maria Reiche”. In einem angrenzenden Garten befindet sich das Grab der 1998 mit 95 Jahren in Lima verstorbenen Wissenschaftlerin.

Schutz für die Wüste
Erst lachten die Bewohner von Nazca über die Frau, die die Wüste fegt. Denn behutsam reinigt Maria mit einem Besen die Zeichnungen vom Staub. Als aber der touristische Aufschwung kommt, wird die Doctora Reiche bald wie eine Heilige verehrt.

Zerstörte Figur in der Nasca-Wüste

Zerstörte Figur in der Nasca-Wüste

Im Jahre 1955 ist es der Einsatz von Maria Reiche, der verhindert, dass in der Wüste von Nazca ein Bewässerungssystem gebaut wird. Ein Kampf gegen die Bürokratie, den sie gewinnt. Ein großer Erfolg ist ihr Buch “Geheimnis der Wüste”, welches sie 1968 in deutsch, englisch und spanisch herausgibt.

Sie nutzt 1970 den in Lima stattfindenden Amerikanistenkongress, um ihr Anliegen, den Schutz der Bodenzeichnungen hervorzubringen. Doch es geschieht nichts, so dass sie ab 1976 selbst einen Wächter für die Wüste bezahlt. Es gelingt ihr auch, zusammen mit ihrer Schwester Renate, an der Panamericana einen Aussichtsturm errichten zu lassen, von dem einige Figuren und Linien zu sehen sind. Damit soll vermieden werden, dass neugierige Touristen die empfindlichen Zeichnungen weiter zertrampeln und zerfahren.

Erst 1995 werden die Linien von Nazca endlich unter den Schutz der UNESCO gestellt. Am Ende ihres Schaffens erhält Maria Reiche fünfmal die Ehrendoktorwürde und die höchsten Auszeichnungen der peruanischen Regierung sowie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Die peruanische Staatsbürgerschaft wird ihr ehrenhalber verliehen, da sie die deutsche nie abgelegt hat.

Maria Reiche bei der Arbeit

Maria Reiche bei der Arbeit

Maria Reiche- Ihr Lebenslauf
15. Mai 1903
Maria Reiche wird in Dresden geboren.

1928
Staatsexamen in Dresden nach absolviertem Studium der Mathematik, Geografie, Physik, Philosophie und Pädagogik in Dresden und Hamburg

1932
Aufgrund der politischen Situation verläßt sie Deutschland, um eine Hauslehrerstelle in Cusco/Peru anzunehmen.

1934 bis 1946
Sie verdient sich ihren Lebensunterhalt mit Sprachunterricht, gibt Gymnastikstunden und übersetzt wissenschaftliche Arbeiten.

 

Karte d. Wüste v. Nasca

Karte der Wüste von Nasca

1941
Der amerikanische Professor Dr. Paul Kossok 1941 zeigt ihr zum ersten Mal die rätselhaften Linien und Figuren in der Hochebene bei Nazca.

Juni 1946
Sie beginnt mit der wissenschaftlichen Arbeit in Nazca. Von Anfang an vertritt sie die These, daß es sich bei den Linien und Geoglyphen um eine frühe Kalenderanlage der Nazcaindianer ca. 500 v.Chr. bis 1000 n.Chr.) handelt. Von nun an lebt sie die meiste Zeit in einer kleinen Hütte am Rande der Pampa. Von einem bescheidenen Zuschuß einer amerikanischen Stiftung finanziert sie Geräte, Zeichenmaterial und einen gelegentlichen Helfer. Ihre Lebens-bedürfnisse beschränkt sie auf ein absolutes Minimum. Sie arbeitet unter denkbar schlechten Bedingungen. In der Hochebene herrscht heißes Wüstenklima, häufig erschweren ihr Staubstürme die Arbeit.

Sie erforschte und vermaß in 40 Jahren 150 Quadratkilometer und arbeitete am Beweis ihrer Theorie einer astronomischen Kalenderanlage.

1983
Maria Reiche erhält die Ehrendoktorwürde der Universität Ica/Peru Bundesverdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland

1984/85
Sie erblindet fast vollständig und beendet ihre Forschungsarbeit. Medizinisch versorgt wird sie durch ihre Schwester Dr. med. Renate Reiche.

Briefmarke "Maria Reiche" Foto: Michael Dornieden

Briefmarke “Maria Reiche”     Foto: Michael Dornieden

1986
Maria Reiche erhält die Ehrendoktorwürde der Universität San Marco/Peru Höchster Orden Perus, Orden der “Weisen des Inka-Reiches” (“Las Palmas magisteriales en el Grade de Amautas”)

1987
Frau des Jahres in Peru. Ihr zu Ehren erscheint eine Briefmarke mit ihrem Porträt.

1989

Ehrendoktorwürde der technischen Universität Lima/Peru

Kameras u. Instrumente v. Maria Reiche Foto: Michael Dornieden

Kameras u. Instrumente von. Maria Reiche im Museum von Nasca     Foto: Michael Dornieden

1992
Ehrendoktorwürde der Universität San Martin Lima/Peru Als erste Ausländerin erhält sie, vom Präsidenten Perus persönlich, die Peruanische Staatsbürgerschaft.

1993
Sie erhält den peruanischen “Sonnenorden”, die höchste peruanische Auszeichnung. Ihre gesammelten Aufsätze und Ausarbeitungen erscheinen in einem Buch.

8. Juni 1998
Maria Reiche stirbt nach einem erfüllten Leben im Militär-Krankenhaus von Lima

10. Juni 1998
Trauerfeier im Museo de la nacion (National Museum) in Lima und Posthume Auszeichnung durch die Regierung

15. Juni 1998
Gemäß ihrem Wunsch wird Maria Reiche im Ingenio-Tal bei Nasca beigesetzt

Trapezförmige Fläche in der Wüste von Nasca

Trapezförmige Fläche in der Wüste von Nasca

Der Mythos Nazca
In der “Pampa von Nazca”, verbirgt sich eines der ungelösten Rätsel unserer Erde. Riesige Erdzeichnungen (Geoglyphen), kilometerlange Linien und zahlreiche Flächen in Trapez- und Dreiecksformen zeugen von einer längst vergangenen Kultur. Etwa 40 Geoglyphen, Abbildungen von Tieren, Pflanzen und geometrischen Figuren, insbesondere Spiralen in den unterschiedlichsten Formen, übersähen die Wüstenebene.

Nicht weniger beeindruckend sind die weit über tausend Linien, die die die Hochebene überziehen. Die Längste erstreckt sich über ca. 9 Kilometer. Sie überspringen ohne Abweichung trockene Wasserrinnen, steigen Bergflanken empor und setzen sich auf der anderen Seite der Berge in gleicher Richtung fort. Die Anordnung ist scheinbar chaotisch und doch bilden die Linien offensichtlich ein geordnetes Netzwerk mit Knotenpunkten, sogenannten Linienzentren.

Die riesigen steinfreien Flächen sind die dritte Merkwürdigkeit. Vom Flugzeug aus gesehen, erscheinen sie wie riesenhafte Landebahnen. Viele dieser Flächen haben die Form von Dreiecken, andere sind fast rechteckig oder trapezförmig.

Die Historie der Erforschung der Erdzeichnungen von Nazca

 1926
Der peruanische Archäologe Mejia Xesspe entdeckt die Geoglyphen. Dreizehn Jahre später veröffentlicht er seine Theorie, nach der die Linien religiös-zeremonielle Straßen sein könnten.

1941
Der amerikanische Kulturhistoriker Paul Kossok beobachtet an einem 22. Juni, dem Tag der Wintersonnenwende, dass eine der langen Linien fast genau in Richtung Sonnenuntergang zeigt. Er kommt zu dem Schluss, dass die Linien eine astronomische Bedeutung haben müssen und nennt die Hochebene “Das größte astronomische Buch der Welt”. Dr. Maria Reiche beginnt auf Bitten von Kossok ihre Arbeit auf der Hochebene. Auch sie ist von einem astronomischen Hintergrund überzeugt und glaubt in der Hochebene eine riesige Kalenderanlage zu erkennen. Dies würde im Einklang mit spanischen Chroniken des 16. Jahrhunderts stehen, wonach die Peruaner im Besitz eines auf genaue Himmelsbeobachtungen gegründeten Kalenders gewesen sein müssen.

1969
Der amerikanische Astronom Gerald Hawkins wertet in einem begrenzten Gebiet der Pampa Messungen mit Theodoliten aus und verwirft aufgrund seiner Ergebnisse die Kalendertheorie. Da seine Untersuchungen jedoch ohne einen strengen geodätischen, astronomischen und vor allem statistischen Ansatz erfolgten, erntete er international viel Kritik. Anfang der 80er Jahre
Aveni und Urton führen statistische Untersuchungen in der Pampa de Nazca, auf durchgehend höherem Niveau als Hawkins, durch, und kommen zu dem Schluss: “In sum, then, were we to reformulate a hypothesis most consistent with the data, it would be hybrid of the walking, the agriculture, and the astronomical hypotheses.”

1994
In Dresden wird der Verein “Dr. Maria Reiche – Linien und Figuren der Nazca-Kultur in Peru” e.V.” gegründet und wenig später das Forschungsprojekt “Nazca” an der HTW Dresden ins Leben gerufen, mit dem Ziel, die Forschung von Maria Reiche fortzuführen und ihr Erbe zu bewahren. 

Texte und Abbildungen (sofern nicht anders angegeben) mit freundlicher Genehmigung des “Verein Dr. Maria Reiche- Linien und Figuren der Nazca-Kultur in Peru

 

Meine Lese-Empfehlungen:


Aus der Amazon-Kurzbeschreibung:
“In einer der trockensten Regionen der Erde, inmitten Perus, sind in dem Wüstenboden geheimnisvolle Zeichen eingraviert. Nur aus der Luft erkennbar, liegen auf mehr als 250Quadratkilometern riesenhafte Pflanzen- und Tierfiguren in einem Netzwerk von Trapezen, Dreiecken und Spiralen über die Pampa ausgebreitet: Artefakte der Nasca-Indianer. Dass der Name Nasca weltberühmt und 1994 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde, ist Maria Reiche zu verdanken, die ihr Leben der Erforschung und Erhaltung der Geoglyphen von Nasca gewidmet hat.”

Dieses Büchlein wurde von Maria Reiche im Eigenverlag herausgebracht. Jeder, der sich für die Linien von Nasca interessiert, sollte dieses Buch gelesen haben!
Maria Reiche beschreibt in sehr ausführlich und mit Hingabe geschriebenen Buch ihre Forschungen und die verschieden Figuren in der Pampa. Das Buch enthält viele Abbildungen und einige Zeichnungen von Frau Dr. Reiche. Ich selbst konnte das Buch bei einer ihrer Vorlesungen im Hotel Turistas in Nasca mit einem Autogramm erwerben.

 


The mystery of the Nasca Lines
Foreword by maria Reiche. A short account on the varios theories and Maria Reiche’s search for an answer to the mystery. The centre piece is a collection of photos, largely aerialphotos of the desert markings. Published by Nonesuch Expeditions.